Denkanstöße

Weihnachten – was machen Sie daraus?

Johannes Wegner

Johannes Wegner

Nehmen wir für einen Augenblick Jesus Christus aus der Welt: Damit wischen wir die Stiftskirche, die Matthäus- sowie Christkönigskirche aus dem Backnanger Stadtbild und denken, die Kirche hätte uns 2000 Jahre lang belogen und betrogen – es ist kein Heiland geboren, es ist kein Erlöser gekommen, Gott wäre nicht Mensch geworden. Ebenso müsste die Backnanger Stadtgeschichte neu geschrieben werden. Vermutlich gäbe es unsere Stadt dennoch. Mit Prachtbauten, großen Palästen und vielleicht imposanten Prestigeobjekten – aber unsere Herzen blieben leer, die Gräber ohne Hoffnung und unsere Sehnsucht nach einem nahenden Gott ungestillt.

Weihnachten zu feiern berechtigt uns zu hoffen, dass Gott in Jesus in unsere Welt kam und es durchaus Sinn hat, der leisen Sehnsucht nach Gott Vertrauen zu schenken. – Ist das für Sie von Bedeutung? Und wenn ja: was machen Sie daraus?
Vielleicht eine Vereinbarung treffen: „Ich will im Gottesdienst mein Leben für eine größere Dimension öffnen und nicht in meinem Alltag stehen bleiben“?
Dafür bauten unsere Vorfahren Kirchen. Sie wollten das so, weil sie dort einen Platz fanden, um Trost zu finden in einer kalten Welt, um Hoffnung zu bewahren über das Grab hinaus und für ihre Sehnsucht nach einem Gott, der uns nahe ist. Und am Heilig Abend machen diese Gebäude erneut ihre Türen weit auf und laden ein, der leisen Sehnsucht nach Gott Vertrauen zu schenken.

Nachdem Daniel Böcking, stellvertretender Chefjournalist der Bildzeitung, dies tat, bewegte er dies längere Zeit nur für sich. Immer regelmäßiger besuchte er einen Gottesdienst und schließlich schreibt er: „… ich kann nicht länger die Füße stillhalten – oder besser: die Finger. Für mich ist es Zeit, laut von der Liebe Gottes zu erzählen und von der Vergebung durch Jesus Christus.“ Böckings Buch „Ein bisschen Glaube gibt es nicht – wie Gott mein Leben umkrempelt“ finde ich empfehlenswert für alle, die der Weihnachtsbotschaft „Euch ist heute der Heiland geboren“ nachgehen wollen.

Johannes Wegner
Backnang

Wort zum Sonntag

Gott zuwenden

Wenn ich Kindern die Geschichte erzähle, wie Zachäus auf einen Baum steigt, dann

Johannes Wegner

Johannes Wegner

sind sie ganz dabei. Sie mögen es mitzuerleben, wie sich ein kleiner Mann zwischen Blättern versteckt und durch die Zweige hindurch Ausschau hält. Es rührt sich in ihnen etwas, wenn sie mitbekommen, wie Jesus an ihm vorübergeht und nicht einfach weitergeht, sondern stehenbleibt, ihn wahrnimmt und mit seinem Namen anredet.

Ist das Kinderkram? Sind wir aus einem Kinderglauben herausgewachsen? Wenn ich so frage, weiß ich, dass Glaubenserfahrungen zum uneingestandenen Glück gehören und als Privatsache unter Verschluss gehalten werden – und auch ist mir bewusst, wie geistliche Autoritäten menschliche Sehnsucht nach Gott für weltliche Interessen zu gebrauchen wussten. Das hat misstrauisch werden lassen.

Wie wäre es aber, wenn wir es dennoch noch einmal wagten, wie Zachäus Ausschau nach Gott zu halten? Wie wäre es, wenn wir Gott bäten, dass er an uns vorübergeht und sich die Lebenswege (irgendwie) kreuzen? Wenn es in der Bibel heißt: „Suchet den Herrn, solange er sich finden lässt; ruft ihn an, solange er nahe ist“, dann muss es Momente, Zeiten und Orte geben, in denen er uns besonders nahe kommt und an uns „vorübergeht“.

Bei Zachäus war es so: Zunächst verborgen, fast schüchtern, jedenfalls am Rande hält er Ausschau. Dann das Schöne: Jesus bleibt stehen. Sein Blick geht nach oben. Er findet ihn und er spricht ihn an. Er kennt seinen Namen und wendet sich ihm zu – eine Urszene des Glaubens.

Ob sich so etwas bei uns zwischen Zahnpasta, Marmelade und Zeitung ereignen könnte? Eines sollten wir jedoch vermeiden: sie als Kinderkram abzutun. Der Blick auf unsere eigentlichen Wünsche und unsere Sehnsucht erwächst ja nicht aus der Beschäftigung mit den eigenen Defiziten, sondern aus der Beschäftigung mit Gott. Wer sich viel Christus zuwendet und sich für seinem Geist öffnet, findet Frieden und Geborgenheit.„

Wort zum Sonntag