Denkanstöße

Gott zuwenden

Wenn ich Kindern die Geschichte erzähle, wie Zachäus auf einen Baum steigt, dann

Johannes Wegner

Johannes Wegner

sind sie ganz dabei. Sie mögen es mitzuerleben, wie sich ein kleiner Mann zwischen Blättern versteckt und durch die Zweige hindurch Ausschau hält. Es rührt sich in ihnen etwas, wenn sie mitbekommen, wie Jesus an ihm vorübergeht und nicht einfach weitergeht, sondern stehenbleibt, ihn wahrnimmt und mit seinem Namen anredet.

Ist das Kinderkram? Sind wir aus einem Kinderglauben herausgewachsen? Wenn ich so frage, weiß ich, dass Glaubenserfahrungen zum uneingestandenen Glück gehören und als Privatsache unter Verschluss gehalten werden – und auch ist mir bewusst, wie geistliche Autoritäten menschliche Sehnsucht nach Gott für weltliche Interessen zu gebrauchen wussten. Das hat misstrauisch werden lassen.

Wie wäre es aber, wenn wir es dennoch noch einmal wagten, wie Zachäus Ausschau nach Gott zu halten? Wie wäre es, wenn wir Gott bäten, dass er an uns vorübergeht und sich die Lebenswege (irgendwie) kreuzen? Wenn es in der Bibel heißt: „Suchet den Herrn, solange er sich finden lässt; ruft ihn an, solange er nahe ist“, dann muss es Momente, Zeiten und Orte geben, in denen er uns besonders nahe kommt und an uns „vorübergeht“.

Bei Zachäus war es so: Zunächst verborgen, fast schüchtern, jedenfalls am Rande hält er Ausschau. Dann das Schöne: Jesus bleibt stehen. Sein Blick geht nach oben. Er findet ihn und er spricht ihn an. Er kennt seinen Namen und wendet sich ihm zu – eine Urszene des Glaubens.

Ob sich so etwas bei uns zwischen Zahnpasta, Marmelade und Zeitung ereignen könnte? Eines sollten wir jedoch vermeiden: sie als Kinderkram abzutun. Der Blick auf unsere eigentlichen Wünsche und unsere Sehnsucht erwächst ja nicht aus der Beschäftigung mit den eigenen Defiziten, sondern aus der Beschäftigung mit Gott. Wer sich viel Christus zuwendet und sich für seinem Geist öffnet, findet Frieden und Geborgenheit.„

Wort zum Sonntag